Das Gewissen ist ein in weiten Kreisen der praktischen und theoretischen Psychotherapie vernachl?ssigter Aspekt der menschlichen Selbststeuerung. Dabei erweist sich diese Funktion der Psyche als wesentlich f?r alle individuellen Handlungsvorg?nge. Das vorliegende Werk stellt die Geschichte des Begriffs in Theologie, Philosophie und Psychologie mit interessanten Perspektiven f?r die psychotherapeutische Arbeit dar und entfaltet in der Folge Ans?tze zu einer am Gewissen orientierten Psychotherapie mit Fallbeispielen. Insbesondere entwickelt der Autor eine konzeptionelle Anwendung der Gewissensarbeit im Rahmen seiner Arbeit mit Suchtpatienten.1 Einleitung 1 Einleitung Mit dem Gewissen greifen wir in der vorliegenden Untersuchung bewusst eine Thematik auf, die im Bereich der humanwissenschaftlichen Handlungs- und 2 Werttheorie seit einigen Jahrzehnten eine eher marginale Rolle spielt . Wir br- gen damit zum Ausdruck, dass die Frage nach den evaluativen Faktoren mens- licher Selbststeuerung im Zeitalter des radikalen Individualismus und seiner ?konomischen und sozialpolitischen Folgen an Bedeutung gewonnen hat. Gewissensfunktionen geh?ren bekanntlich zu den allt?glichen regulativen Elementen des menschlichen Handelns. Dabei geht es in erster Linie um die den menschlichen Absichten, dem nachfolgenden Tun und den daraus entstehenden Konsequenzen zugrunde liegenden und den gesamten Prozess begleitenden - wertungsprozesse. Diese sind es, welche die menschlichen Aktivit?ten im jew- ligen subjektiven Befinden emotional und kognitiv reflektieren. Wer handelt, stellt sich hinsichtlich Absicht, Vollzug und Konsequenzen vor seiner Integrit?t und derjenigen seines Umfeldes gleichsam in Frage und riskiert im schlimmsten Falle den Widerspruch der eigenen Selbstwertstruktur in Gestalt von Selbstkritik, Scham und Reue. Diesen Widerspruch bezeichnet die Umgangssprache als schlechtes Gewissen. Bleibt er aus, wird im Blick auf das Handeln von einem guten Gewissen gesprochen. Letzlã3