Das Buch liefert erstmals im deutschsprachigen Raum einen umfassenden wissenschaftlichen Beitrag zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in einem Psychotherapieinstitut. Die qualitative Fallstudie nimmt jahrzehntelangen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt durch den Leiter eines analytischen Kinder- und Jugendinstituts in den Blick. Dabei zeigt sich, dass die in diesem System verstrickten Psychotherapeut*innen zentralen Vorstellungen und Konzepten ihrer Profession nicht gerecht werden: Schweigen, Verleugnung, Rationalisierung, Abwehr von Verantwortung und Ignoranz gegen?ber Betroffenen verhindern ?ber lange Zeit die Aufdeckung der Taten und nachhaltige Formen der Aufarbeitung. Das Institutsleben wird von einer dialektischen Spannung zwischen der Notwendigkeit der Bearbeitung und dem Wunsch nach ungest?rtem Funktionieren gepr?gt. Diese Dynamik erweist sich zugleich als Analogie zu Problembew?ltigungsmustern psychotherapeutischer Patient*innen. Der Fall verweist auf grunds?tzlicheProbleme im Bereich der Psychotherapie, die vor allem mit einem strukturellen Machtungleichgewicht und ausgepr?gten Abh?ngigkeitsverh?ltnissen sowohl im Kontext der Ausbildung als auch im Behandlungssetting zu tun haben. Aus den Erkenntnissen dieser empirischen Untersuchung werden professions- und organisationsethische ?berlegungen abgeleitet und darauf basierend konkrete Empfehlungen zur Pr?vention von sexualisierter Gewalt in Psychotherapieinstituten formuliert.Der Kontext.- Die Studie.- Methodik.- Deskriptive Befunde als Bezugsrahmen.- Rahmenkonzepte zur Einordnung des Geschehens.- (Sexuelle) Grenzverletzungen in psychotherapeutischen Beziehungen - eine Bestandsaufnahme.- Theoretische Modelle - individuelle und institutionelle Betroffenheit von sexualisierter Gewalt.- Hintergr?nde und Funktionsweisen einer strukturellen Pr?vention.
Dr. phil. Peter Caspari ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f?r Praxisforschung und Projektberatung (IlÓ‚