Das Zeitalter der Renaissance hat den europaischen Volkern eine neue, uber alle nationalen Schranken hinausgreifende Einheit geschaffen, indem er ihnen die gemeinsame Richtung auf ein freies weltliches Bildungsideal gab. Eine andere Form der Allgemeinheit, als diejenige, die sich in der mittelalterlichen Katholizitat verkorperte, war jetzt errungen und trat in immer bestimmteren Formen heraus. In der Beziehung auf dieses neue Allgemeine gewinnen nunmehr die einzelnen Personlichkeiten, wie die Volker-Individualitaten ihre charakteristische Auspragung und ihre tiefere Selbstandigkeit. Die grossen Kunstler der Renaissance, wie ihre Denker und Forscher begegnen sich in einem neuen Begriff und einem neuen Gefuhl der Menschheit ; aber wie sie hierin zuerst des unerschopflichen Reichtums der eigenen Subjektivitat gewiss werden, so stellt sich in jedem von ihnen zugleich eine eigentumliche nationale Anschauung und vermittels ihrer eine besondere Weise der geistigen Lebensansicht dar. Dieses Buch uber Freiheit und Form stellt Studien zur deutschen Geistesgeschichte dar und ist ein unveranderter, hochwertiger Nachdruck der Originalausgabe der zweiten Auflage aus dem Jahr 1918. Der Verlag der Wissenschaften verlegt historische Literatur bekannter und unbekannter wissenschaftlicher Autoren. Dem interessierten Leser werden so teilweise langst nicht mehr verlegte Werke wieder zugangig gemacht.