In Technik- und Umweltkonflikten geht es nicht so sehr um besseres oder schlechteres Wissen - wie die meisten Naturwissenschaftler glauben. Auch nicht um Interessen oder Risiken - wie die meisten Sozialwissenschaftler annehmen. Motiviert ist der vordergr?ndige Streit um Wissen, Risiken und Interessen durch unterschiedliche Weltbilder: Konservative Identit?tsorientierung, utilitaristische Fortschrittsorientierung und romantische Alterit?tsorientierung stehen hier gegeneinander. Diese Typologie der Weltbilder und Naturvorstellungen wird ideengeschichtlich rekonstruiert und zur Interpretation aktueller Konflikte um die Gen- und Biotechnologie herangezogen.Weltbilder oder Kosmologien sind vorwissenschaftlich und vormodem und werden durch die Aufkl?rung entzaubert. Die Natur und der Kosmos geben uns keinen An? haltspunkt mehr, wie wir leben sollen. Im modemen Denkverkehr sind Kosmologien entsprechend kaum mehr bedeutsam und stellen allenfalls noch einen Gegenstand entlegener Fachgebiete dar, die sich mit Ursprung und Gestalt von Zeit und Raum sowie anderen 'letzten Dingen' befassen. - So die verbreitete Vorstellung. Dagegen will ich zeigen, dass Kosmologien als verborgene Hintergrundannahmen auch in der modemen Gesellschaft das Denken und Handeln bestimmen - und zwar in ganz allt?glichen Diskursen und Praktiken. Es liegen hier divergierende Weltbilder und Naturvorstellungen zugrunde und aus ihrer Divergenz entsteht Streit, wie ich hier insbesondere anhand von Konflikten um medizinische und landwirtschaftliche Prak? tiken darlegen m?chte. Zum Beispiel: Ist AIDS eine Strafe Gottes f?r Unzucht, Promiskuit?t und den Kontakt mit Fremden? Oder kommt es von einem Virus, das irgendwann in Afrika von Affen auf den Menschen ?bersprang und sich von dort endemisch ?ber die Welt ausbreitete? Oder ist das Virus in US-amerikanischen oder europ?ischen Laborato? rien bei gentechnologischen Experimenten zufallig entstanden? Ich will hier nicht diskutieren, wer Recht hat, sondern fragen, wlsp